14. Oktober 2019

Wie mobil wird Hannover? So lief die Diskussion mit Onay, Scholz und Hansmann

von links: Eckhard Scholz (CDU), Belit Onay (Grüne) und Marc Hansmann (SPD).

Kommt die autofreie Innenstadt? Ja, wenn es nach Belit Onay, Oberbürgermeisterkandidat der Grünen in Hannover, geht. Etwas zurückhaltender positionierte sich Marc Hansmann von der SPD. CDU-Vertreter Eckhard Scholz sieht dieses Szenario als keine gute Lösung an. Doch dies war nur eines von vielen Themen bei der Diskussion "Wie mobil wird Hannover?" am 12. Oktober in der ADAC Geschäftsstelle in der Nordmannpassage. Alle wichtigen Äußerungen können Sie hier noch mal nachlesen.

Thema Baustellenmanagement

Scholz (CDU): „Ich finde, das ist chaotisch und nicht gut angekündigt. Es dauert lange in der Abarbeitung. Ich sehe in den Baustellen häufig keine Menschen arbeiten. Die Koordination der Baustellen ist überraschend schlecht. Da braucht es dringend Korrekturen. Die Baustellen sollten transparenter gemacht werden.“ 

Frage: Wie realistisch ist eine autofreie Innenstadt?

Hansmann (SPD): „Um die Innenstadt autofrei zu machen, müssten wir die Parkhäuser verlegen. Daher sage ich eher: autoarm. Deshalb wäre mein Konzept. Ausbau der Fußgängerzone, Kulturzonen anlegen, aber nicht autofrei.“

Onay (Grüne): „Das ist sehr realistisch. Der ÖPNV kann so weiter ausgebaut werden, dass das Ziel der autofreien Innenstadt spätestens 2030 erreicht werden kann. Ich glaube sogar, dass wir es vorher hinkriegen. Es ist sogar ein Vorteil für Autofahrer. Wenn man sich Städte wie Kopenhagen anschaut, dort fließt der Verkehr, obwohl es eine autofreie Innenstadt gibt.“

Scholz: „Hannover bietet für eine verkehrsfreie Innenstadt einfach schlechte Voraussetzungen. Das Thema kann man sich perspektivisch mal ansehen, wo ich aber momentan keine guten Lösungen sehe, gerade auch wegen der Parkhäuser, die sehr zentral gelegen sind.“

Thema E-Roller

Scholz: „Ich bin kein Freund von festen Stationen. Das widerspricht dem Aspekt, der dahinter steht. Der Missbrauch von den E-Rollern ist ein viel größeres Problem. Da würde ich deutlicher drauf reagieren."

Onay: „Dieser Wildwuchs an E-Scootern ist ein Problem. Da würde ich schon sagen, wenn wir die weiterhin behalten wollen, dann mit festen Plätzen, wo die abgestellt werden. Ich sehe den E-Scooter auch wenig erstrebenswert im gesamten Mobilitätsmix.“

Hansmann: „Ich hoffe, dass der Hype bald vorbei ist. Ein Oberbürgermeister sollte nicht die oberste Spaßbremse sein in der Stadt. Ökologisch macht es aber überhaupt keinen Sinn, denn es ersetzt eher Fußgänger und Fahrradverkehr. Es ist nicht wirklich eingebaut in ein Mobilitätskonzept.“

Thema Radverkehr

Hansmann: „Wir müssen Parkplätze umwidmen für Fahrräder. Das ist bei uns in der Straße gerade geschehen. Seitdem ist wieder ein Durchkommen auf den Bürgersteigen für die Fußgänger. Ich sehe bei uns viele Autos, die gar nicht mehr bewegt werden. Weil wenn man erst mal einen Parkplatz hat in der Oststadt, dann bleibt man da stehen. Im Innenstadtbereich ist es wirklich notwendig, dass wir diese Verkehrswende auch leben.“

Onay: „Dass Radverkehr sicher ist, ist ja das A und O für die Entscheidung, sich überhaupt aufs Fahrrad zu setzen. Wir müssen uns verabschieden von dem Gedanken einer autogerechten Stadt hin zu einer nutzergerechten Stadt. So wie Menschen mobil sein wollen, so müssen sich auch die Straßen abbilden.“

Hansmann: „Das Radnetz ist nicht schlecht, es ist gut in Hannover. Aber wir haben häufig ein Problem beim Lückenschluss. Es fehlt der Übergang zwischen alten und neuen Radwegen.“

„Ich würde dafür sorgen, dass Radfahrer und Fußgänger getrennte Grünphasen von Autofahrern haben.“

Onay:„Wir haben zu viele Autos in der Stadt. Wir können den Platz, den wir haben, nicht erweitern. Und wenn es um die Frage geht, zu welchen Lasten der Platz anders genutzt werden soll, dann ganz klar zu Lasten des Autoverkehrs. Der transportiert am wenigsten Menschen, nimmt am meisten Platz weg, verursacht schlechte Luft. Da hat der Radverkehr die größeren Zukunftschancen.“

 

Text: Timo Gilgen
Bild: Dirk Hillbrecht