24. März 2021

Sachsen-Anhalts Autobahnen in neuer Hand

Foto: Christian Wohlt

Zügig rollt der Verkehr auf der Autobahn 14 zwischen Wolmirstedt und Dolle. Kaum zu glauben, dass diese Strecke vor kurzem noch ein nerviges Nadelöhr war, sich LKW und PKW oft Stoßstange an Stoßstange auf der Bundesstraße 189 durch die Colbitz-Letzlinger Heide quälten. Seit Sommer 2020 ist das 8,5 Kilometer lange Autobahnstück von Colbitz bis Dolle (Anschlussstelle Tangerhütte) freigegeben. Es ist der zweite A14-Abschnitt, der in Sachsen-Anhalt fertig wurde.

„Die neue Strecke wird sehr gut angenommen“, freut sich Steffen Kauert. Auch 2021 werde der Lückenschluss der A14 deutlich vorankommen. „Wir bauen nahtlos weiter“, versichert er. Grund für anders lautende Befürchtungen ist der Übergang der Verantwortung für die Autobahnen vom Land auf die neue Autobahn GmbH des Bundes, die mit Anfangsschwierigkeiten zu kämpfen hat. Besonders die Einführung der IT sorgte für Ärger. Auftragnehmer mussten zum Beispiel auf die Bezahlung ihrer Rechnungen warten. Kauert und viele seiner Kollegen wechselten zum Jahresbeginn von der Landesstraßenbaubehörde Sachsen-Anhalt zur neuen GmbH. Der Mann mit dem markanten Bart leitet die für Sachsen-Anhalt zuständige Außenstelle Magdeburg der Niederlassung Ost.

Foto: Christian Wohlt

Die Autobahngesellschaft wurde geschaffen, um Planung, Bau und Betrieb der Bundesautobahnen in einer Hand zu konzentrieren. Die Ziele: Bessere Koordination, effizientere Finanzierung, schnellere Planung und Bau. Bisher gab der Bund zwar das Geld für das 13 000 Kilometer umfassende Bundesautobahnnetz, die Organisation war aber Ländersache. „Der Start ist geglückt - trotz der außergewöhnlichen Bedingungen“, zieht Klaus Kummer, Leiter der Niederlassung Ost, trotz der Anlaufprobleme eine positive erste Bilanz. Der Umzug an die neuen Standorte sei abgeschlossen. Herausforderungen, wie den Winterdienst bei den extremen Wetterbedingungen zum Jahresanfang, hätten die Mitarbeiter gut bewältigt.

Der Zuständigkeitsbereich der Niederlassung Ost, mit Sitz in Halle/Saale, erstreckt sich komplett auf die Bundesländer Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Mit rund 1 660 Kilometern betreut sie das bundesweit zweitlängste Streckennetz aller zehn Niederlassungen. Außenstellen gibt es neben Magdeburg, in Erfurt und Dresden. Rund 400 Mitarbeiter sind in den acht Autobahnmeistereien Sachsen-Anhalts tätig und für rund 600 Autobahnkilometer zuständig. Bau, Instandhaltung, Reinigung, Winterdienst von Straße und Rastplätzen gehören zu ihren Aufgaben. Ein Job mit Zukunft, wie der Chef versichert. Mit einer Einstellungsoffensive will er daher weitere Mitarbeiter gewinnen.

Foto: Christian Wohlt

„Jede Außenstelle hat ihre Besonderheiten“, sagt Kauert. So gebe es in Sachsen-Anhalt keinen Tunnel und auch keinen Grenzverkehr, dafür aber mit der A14-Nordverlängerung das größte Autobahnprojekt Ostdeutschlands. Gebaut wird derzeit am rund 15 Kilometer langen Abschnitt zwischen Dolle und Lüderitz. Die Arbeiten gehen planmäßig voran. Ende 2023 wird hier der Verkehr rollen. Bis dahin soll bei Dolle auch eine Tank- und Rastanlage entstehen. Für die anderen Abschnitte der A14-Nordverlängerung in Sachsen-Anhalt sind die Planungen abgeschlossen. Zwei Klagen bremsen die Bauleute zwar noch aus, doch der Außenstellenleiter weiß, dass das Gesamtprojekt dadurch nicht mehr zu stoppen ist. Auf einen Fertigstellungstermin will er sich aber nicht festlegen.

Die A14-Nordverländerung und die A143 (Westumfahrung Halle), für die nicht die Autobahn GmbH, sondern die Deutsche Einheit Fernstraßengesellschaft (DEGES) zuständig ist, werden die letzten großen Autobahnneubauprojekte Sachsen-Anhalts sein. „Die Kraft, die wir jetzt in den Neubau stecken, werden wir künftig für die Unterhaltung der Straßen aufwenden“, sagt Kauert. Schon in diesem Jahr stehen wieder große Erhaltungsmaßnahmen an. Nachdem die Arbeiten an der A2 bei Magdeburg abgeschlossen sind, geht es demnächst mit der acht Millionen Euro teuren Sanierung am Kreuz Rippachtal (A9/A38) weiter. Rund 13 Millionen Euro soll die Instandsetzung der A9 zwischen Großkugel und Leipzig-West kosten, 40 Millionen Euro sind für die Sanierung der A14 zwischen Schkeuditzer Kreuz und Halle-Ost geplant.