1. Juli 2021

Neuer Klebstoff für den Straßenbau

Für die Landesstraßenbaubehörde Sachsen-Anhalt ein alltägliches Projekt und doch ist dieses etwas Besonderes, wie Daniel Hähndel vom Regionalbereich Nord betont. Denn die Arbeiten sind ein Praxistest für ein neues Straßenbauverfahren. Gemeinsam mit der Technischen Universität Darmstadt wird hier im Auftrag der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) eine Technologie erprobt, die langfristig Geld sparen soll und für einen schnelleren Bauablauf sorgen könnte. Die erste Bilanz der Projektbeteiligten fällt positiv aus. Neben dem Straßenbauer sind auf wissenschaftlicher Seite Moritz Middendorf von der Technischen Universität Darmstadt sowie als Praxispartner Jens Krause, Esha Strasse GmbH, im Boot.

Zum Hintergrund: Asphaltfahrbahnen bestehen aus drei Schichten – einer Trag-, einer Binder- und einer Deckschicht – die nacheinander eingebaut werden. Die Lebensdauer einer Fahrbahn hängt maßgeblich davon ab, wie gut die einzelnen Schichten untereinander verbunden sind. Darum wird auf die untere Schicht eine Emulsion als „Klebstoff“ aufgesprüht, bevor die nächste Asphaltschicht aufgebracht wird. In den bisher üblichen Verfahren wird diese Emulsion in einem gesonderten Arbeitsgang auf einmal über die gesamten Baulänge versprüht. Nachteile: Das kostet Zeit und die LKW, die später den Asphalt zur Baumaschine bringen, zerfahren nicht selten die Klebschicht.

Im Rahmen des Forschungsprojektes der TU Darmstadt soll nun einerseits ermittelt werden, wieviel Emulsion in welcher Konzentration aufgesprüht werden muss, um einen optimalen Verbund der Asphaltschichten zu erreichen, erklärt Middendorf. Andererseits wird eine Straßenbaumaschine eingesetzt – ein so genannter Sprühfertiger –, die gleichzeitig die Klebeemulsion aufsprüht und den Asphalt aufträgt. Einige Praxisversuche haben bereits gezeigt, dass dieses neue Verfahren die Qualität und damit die Lebensdauer der Fahrbahn deutlich erhöht.

Außerdem können die verschiedenen Arbeitsabläufe damit nahtlos nacheinander absolviert werden. Das spare insgesamt bis zu zehn Prozent an Bauzeit, sagt Krause. Allein an der rund zwei Kilometer langen Pilotstrecke bei Gardelegen, können die Arbeiten, laut Hähndel, zwei Tage schneller als mit herkömmlichen Verfahren abgeschlossen werden. Alle Beteiligten loben die reibungslose Zusammenarbeit bei diesem Projekt. Sollte es sich bewähren und von der Bundesanstalt für Straßenwesen bestätigt werden, könnte es den Straßenbau bundesweit revolutionieren.

Text und Bilder: Christian Wohlt