4. September 2020

Kilometergeld für Elterntaxis? ADAC kritisiert Peiner Pläne

Update: Nach aktuellen Meldungen hat der Landkreis Peine die Kilometerpauschale offensichtlich gestoppt. Die Testphase wurde demnach vorzeitig beendet.

 

Der Landkreis Peine zahlt im September eine Kilometer-Pauschale für Eltern, die ihre Kinder zur Schule bringen. Nach dem Testmonat wird entschieden, ob das Projekt fortgeführt wird. Auch wenn Kreativität in Corona-Zeiten grundsätzlich wünschenswert ist, geht diese Aktion aus unserer Sicht eindeutig in die falsche Richtung.

Vor vielen Schulen herrscht morgens ohnehin schon Verkehrschaos, weil oftmals nicht genug Platz vorhanden ist, um die Elternverkehre sicher abzuwickeln. Es wird verkehrswidrig an Bushaltestellen oder in zweiter Reihe gehalten, wo ein Aussteigen nicht sicher ist. Viele Fahrzeuge müssen wegen der engen Platzverhältnisse mehrfach rangieren, während die Kinder die letzten Meter zur Schule gehen. Ein einfacher Appell an die Eltern, nicht direkt vor der Schule zu halten reicht meistens nicht aus.

"Die Kinder bekommen, wenn sie zu Fuß oder mit dem Rad zur Schule kommen, morgens den Sauerstoff, um fit zu sein für den Unterricht" findet auch der Peiner Polizeioberkommissar Carsten Rauls, der am Mittwochmorgen vor dem Ratsgymnasium kontrolliert, ob sich die Eltern an die Regeln halten.

Daher ist die angedachte Kilometerpauschale für Elterntaxis aus unserer Sicht ein ganz falsches Signal im Hinblick auf die Rolle der Kinder als eigenständige Verkehrsteilnehmer. Das auch vor dem Hintergrund, dass Kultusminister Tonne in der vergangenen Woche zum Schulanfang gerade an die Eltern appelliert hat, Kinder nicht mit dem Auto zur Schule zu fahren. Zudem hat das Ministerium aktuell einen Wettbewerb gestartet, der autofreie Tage an den Grund- und Förderschulen belohnt. Wie passt das zusammen?

Kinder sollten den Schulweg selbstständig absolvieren, natürlich nachdem der Weg gemeinsam mit den Eltern geübt wurde. Es geht darum, die Kinder früh und altersgerecht an den Straßenverkehr heranzuführen. Die Kinder sollen ein Risikobewusstsein und ein Verständnis für den Straßenverkehr entwickeln, damit sie sich eigenständig und sicher im Verkehr bewegen können. Es zeigt sich auch, dass die Kinder aufmerksamer im Unterricht sind.

Wenn nun bewusst und mit zusätzlichem finanziellen Anreiz aufgerufen wird, die Kinder mit dem Auto zur Schule zu bringen, nimmt man ihnen die Möglichkeit, wichtige Erfahrungen zu sammeln und sich so selbstständig und sicher im Straßenverkehr zu bewegen. Natürlich gilt das besonders für die Grundschüler, aber auch Fünft- und Sechstklässler müssen ihr Bewusstsein für Gefahrensituationen noch schärfen.

Sollte der Schulweg nur mit dem Auto zurückgelegt werden können, weil die individuelle Situation der Kinder es nicht anders zulässt, können Hol- und Bringzonen eine Entlastung schaffen. Werden solche Zonen eingerichtet, kommen sie allerdings durch einen solchen aktiven Aufruf, das Auto zu nehmen, zu den Stoßzeiten auch schnell an ihre Grenzen.

Um ein Verkehrschaos vor den Schulen zu vermeiden, sollte der Landkreis lieber über den Einsatz weiterer (Klein-)Busse diskutieren, statt eine Kilometerpauschale für die Eltern zu bewerben.

 

Auch im Landkreis Northeim ist die Pauschale für das Elterntaxi offenbar gängige Praxis. Laut Homepage gibt es pro Schultag 0,20 Euro je Kilometer für eine Hin- und eine Rückfahrt.