12. Mai 2020

Irgendwo zwischen Corona und Motorsport

Anne Borchers im Homestudio

Veranstaltungen sind abgesagt, Trainingsstätten waren geschlossen. Für jeden Sportler, egal aus welchem Bereich, eine Herausforderung, die nicht ganz alltäglich ist. Neue Trainingsmethoden, ein neuer Rhythmus und viel Freizeit – doch was tun mit der neugewonnenen Zeit? Wöchentlich ändern sich die Verordnungen und die Trainingsstätten werden allmählich wieder geöffnet. Wir haben mit fünf Motorsportlern aus unserem Regionalclubgebiet gesprochen.

„Die Zwangspause muss man natürlich auch mental wegstecken.“

Ihre Startnummer ist die 111 und genauso viele Mund-Nase-Masken hat Anne Borchers schon für den guten Zweck genäht. Freizeit mal anders, denn eigentlich wäre die 28-Jährige in diesem Jahr viel unterwegs gewesen. Ihr konkreter Plan war bei der Damen Welt- und Europameisterschaft im Motocross anzugreifen. Zwei WM-Rennen haben sogar schon stattgefunden. „Nachdem ich 2018 durch eine Verletzung zurückgeworfen wurde, habe ich letztes Jahr zum Training genutzt, um so 2020 richtig anzugreifen“, betont Borchers. „Die Zwangspause muss man natürlich auch mental wegstecken.“ Seit sieben Wochen ist die Motocrosserin nicht mehr richtig gefahren, aber ihr eigener Fitnessraum ermöglicht ihr wenigstens unabhängig von allen Vorgaben zu trainieren. „Ich probiere jede Form von Bewegung in meinen Alltag zu integrieren. Dann erledige ich halt mal alle Einkäufe mit dem Rad“, erzählt die Motorsportlerin.

„Das Finale vor heimischer Kulisse ist auch attraktiv!“

Für Dominique Schaak, ADAC GT-4 Fahrer aus Magdeburg, steht die Welt momentan Kopf. Zwar hält sich der 29-Jährige mit Einzeltraining fit, doch sein Rennfahreralltag wurde weitestgehend ausgebremst: „Momentan fehlt einfach was, der Rhythmus geht verloren.“ Es gilt, sich ganz anders zu strukturieren als noch vor ein paar Wochen. Für den Piloten ist es wichtig, den Kontakt zu seinem neuen Rennteam T3 Motorsport, den Partnern und Sponsoren zu halten. Schließlich rückt man in einer Krise näher zusammen. Schaak fieberte bis zu letzt auf den Saisonauftakt der ADAC GT Masters in Oschersleben hin. Er tritt mit einem Audi R 8 an. Den Magdeburger verbindet viel mit der Motorsport Arena in Oschersleben. „Es wäre natürlich super gewesen, das erste Rennen vor heimischer Kulisse zu fahren, aber das Saisonfinale hat auch auf jeden Fall seinen Reiz.“

„Natürlich habe ich mich schon vorher viel bewegt, momentan mache ich das sogar noch bewusster als vorher.“

Jennifer Lerch ist seit 2011 aktiv im Motorsport, die Leidenschaft für den Rallye-Sport hat die Walsroderin von ihren Eltern. Dass die Saison für die 23-jährige Motorsportlerin nun so verläuft, damit hätte niemand gerechnet. Neben ihrem Job treibt Lerch viel Sport. Ihrem zweitliebsten Hobby, dem Klettern, kann die junge Sportlerin auch nicht nachgehen. „Leider sind ja auch alle Kletterhallen zu“, erklärt sie wehmütig. Lerch hat an der ungewissen Situation zu knabbern, denn die Vorbereitungen auf die Saison liefen vor Corona auf Hochtouren.

 „Corona kann mich nicht aufhalten. Ich nutze die rennfreie Zeit intensiv im Simulator und arbeite an meiner Fitness. Ich brenne drauf bald wieder im Kart und Auto zu sitzen. “

„Wenn ich schon nicht im realen Leben fahren kann, dann eben in der virtuellen Welt.“ Diesem Motto folgt derzeit Colin Jamie Bönighausen. Der junge Fahrer aus Isernhagen wollte diese Saison nutzen, um die ersten Testfahrten im GT-4 zu machen. Doch derzeit vertreibt sich der 15-Jährige die Zeit mit Trainingsfahrten im Rennsimulator. Auch der Schulunterricht wurde nach Hause verlagert. „Es ist zwar nicht das gleiche Gefühl, aber besser als nichts“, erklärt er. „Ich vermisse es, die Motorengeräusche zu hören und kann es kaum erwarten endlich wieder zu fahren.“ Um sich fit zu halten, bleibt Bönighausen derzeit nicht viel anderes über, als Jogging oder das Rudergerät im Homestudio zu nutzen – die Devise ist nicht aus dem Rhythmus zu kommen.

„Ich kann es kaum erwarten, endlich wieder aufs Bike zu steigen und Rennen zu fahren.“ 

Sei es das Studium oder die Leidenschaft Motorrad zu fahren: Für Justus Weinke ist alles anders, als noch vor ein paar Wochen. Jetzt heißt es Selbststudium, virtuelle Vorlesungen und mehr Freizeit als sonst. Der Motorsport bleibt auf der Strecke. Eigentlich wäre der 23-Jährige dieses Jahr zwei komplette Rennserien gefahren, diese wurden bis auf weiteres abgesagt. Doch der junge Fahrer probiert dennoch jeden Tag zu trainieren:  Sei es Laufen, Fahrrad fahren, Spinning oder Home Training – hauptsache Bewegung. Sobald der Wunsch zu groß ist mit ein paar Pferdestärken unterwegs zu sein, dann baut Weinke sich einen Parcours auf und fährt Pitbike. „So komme ich wenigstens nicht ganz aus dem Training, denn besonders im Frühjahr fahre ich eigentlich viel Motocross.“ Jetzt, so erzählt Weinke, ist die Werkstatt aufgeräumt und die Motorräder sind bereit für den nächsten Einsatz.