30. März 2020

Ein Ferrari für zu Hause

Ein Ferrari für zu Hause

Reinhardt Schumacher aus Rethen sammelt seit 1974 kleine Formel-1-Modellautos. Eine Lupe, eine Pinzette und ein Wattestäbchen – das sind die Werkzeuge, die der Ferrari-Fan für sein Hobby regelmäßig benutzt.

Ob Fertigmodell oder Baukasten, die rund 240 Fahrzeuge der Firma Ferrari stehen pfleglich aufgereiht in einer großen Vitrine in der Wohnung von Familie Schumacher. Die Modelle stammen aus den Jahren 1948 bis 2019.  „Die ersten Ferraris waren nicht immer unbedingt in der knallroten Farbe, die wir kennen“, begründet Schumacher. Sie waren gelb, manche aber auch blau. Die Farbe hing in der Regel davon ab, in welchem Land das Rennen stattfand. Was jedoch über die Jahre immer gleich blieb, war das schwarze Pferd als Emblem. Mittlerweile ist Schumachers Sammlung sogar größer als die von Ferrari. Doch „leider gibt es immer weniger Bausätze, weil Ferrari keine Lizenzen mehr an die Manufakturen vergibt, fertige Modellautos zu kaufen, macht einfach weniger Spaß“, betont er.

 „Als ich damals das erste Auto für meinen Sohn gekauft habe, war mir natürlich nicht bewusst, dass daraus eine so große Sammlung wird“, erzählt Schumacher. Schließlich wollte er seinem Sohn, der zu diesem Zeitpunkt noch sehr jung war, lediglich eine Freude machen. Da war ein roter Flitzer genau das Richtige. „Mein Sohn fand damals kleine Autos besser als die großen und sperrigen. Deshalb habe ich immer wieder ein paar nachgekauft“, so der Rethener.

Wie auch bei seinem berühmten Namensvetter Michael Schumacher entstand im Laufe der Jahre die Leidenschaft für die roten Rennwagen. Besonders in zahlreichen Italienurlauben hat er damit immer Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Selbst hat Schumacher nie Rennsport betrieben. Sein Wissen hat er sich aus unterschiedlichen Büchern angelesen, in denen er regelmäßig stöbert.

In rund 120 der insgesamt 238 Modellwagen steckt echte Handarbeit. Das Zusammenbauen der Flitzer erfordert höchste Präzision sowie eine Menge Geduld und Geschick. Ein Bausatz besteht aus 80 bis 200 Einzelteilen. Oft sind die Teile gerade mal so groß wie ein Stecknadelkopf. Schumacher nutzt deshalb Kleinwerkzeug wie eine Pinzette, um Aufkleber und kleine Drähte richtig zu platzieren. „Jeder Bausatz enthält Einzelteile, die bis ins Detail gehen“, erklärt er. Das bedeutet: Die noch so kleinste Motorabdichtung muss an ihren Platz. „Die Kunst ist, alles so zu verkleben, dass keine Klebstoffreste auf dem Modell zurückbleiben“, betont er.

Wie lange Schumacher an einem Modellauto bastelt, das hängt von der Komplexität der Bausätze ab. „Die Autos bestehen aus unterschiedlichen Materialien wie Metall oder Kunststoff, und auch die Kleinteile variieren“, so Schumacher. Hinter dem Zusammenbauen der Teile steckt selbstverständlich eine Struktur, die sich über die Jahrzehnte hinweg entwickelt hat. Für seinen Liebling in der Sammlung, einen roten Ferrari 312 von 1974, brauchte er ein halbes Jahr.

Früher kaufte Schumacher seine Fertigmodelle und Bausätze in speziellen Läden. Heutzutage funktioniert das alles digital. Wöchentlich durchstöbert er Online-Plattformen nach neuen Schätzen für seine Sammlung. Da sich die Rennwagen über eine Saison hinweg mehrmals verändern, fertigt der Maschinenbautechniker mithilfe eines Freundes die fehlenden Teile im 3D-Drucker. Dafür skizziert er Baupläne, um die oft nur winzigen Teile herzustellen. „Besonders wichtig ist es, ein Netzwerk an Menschen zu haben, die einem helfen“, erklärt Schumacher. Ohne die Unterstützung aus seinem Umfeld wäre es ihm nicht möglich, seine Sammlung stetig zu erweitern.

Woher der 74-Jährige das ruhige Händchen für das Hobby hat, weiß er ganz genau. Sein Vater arbeitete in einem künstlerischen Beruf, in dem immer Geduld gefragt war. Doch natürlich hat sich Schumacher die Handhabe über die Zeit antrainiert. Außerdem nutzt er Hilfsmittel wie eine weiche Unterlage für seine Arme. Wenn es mal einen Tag nicht so läuft, dann bastelt er einfach  nur ein Stündchen an den Modellen. In jedem Fall bleibt das Basteln für ihn ein toller Ausgleich im Alltag, um einfach mal abzuschalten.

Ein- bis zweimal im Jahr ist Staubwischen angesagt. Ein handelsübliches Tuch kommt Schumacher dann nicht ins Haus. „Ich putze immer nach einem bestimmten Schema“, erläutert er. Die Revision dauert meistens eine Woche. In dieser Zeit staubt er die Modelle mit unterschiedlichen Pinseln ab, nimmt aber auch Schönheitskorrekturen vor: Besonders bei den älteren Modellen muss er gelegentlich den Schutzlack erneuern, dann glänzt die Lasur wieder wie am ersten Tag.

Ehrgeizig blickt Reinhardt Schumacher in die Zukunft, denn sein Ziel, die Sammlung vollständig zu haben, hat er fast erreicht. Ihm fehlen noch zwei Modelle. Was kommt, wenn auch das letzte Miniatur-Auto in der Vitrine steht, das lässt der Rethener noch offen.