17. Mai 2021

Dank Spenden: "Ein Weg für alle" kommt

Edda Ahrberg hinter einem Schild auf ihrem Grundstück.

Es ist fast geschafft. Jahrelang kämpften Edda Ahrberg und ihre Mitstreiter in der Initiative „Ein Weg für alle“ für einen Geh- und Radweg zwischen den Ortschaften Cobbel und Birkholz in der Einheitsgemeinde Tangerhütte (Landkreis Stendal). Dabei mussten sie so manche Widerstände überwinden. Eine Spendenaktion brachte fast 60 000 Euro ein und machte auch finanziell den Weg für den Radweg frei, der jetzt endlich gebaut wird.

„Der Weg nutzt Radlern, Fußgängern und Autofahrern gleichermaßen“, ist Ahrberg überzeugt. Die neue Piste soll nicht nur den Lückenschluss vom Elberadweg zum Altmarkrundkurs bilden und damit mehr Touristen in die Region locken. Für die Bewohner der abgelegenen Dörfer stellt sie auch einen wichtigen Anschluss an die nahe Kleinstadt dar. „Viele Menschen fahren mit dem Rad zum Einkaufen oder zur Arbeit nach Tangerhütte“, berichtet Ahrberg, die in Cobbel lebt. Auch Schulkinder müssten sich bisher die Straße mit den Autos teilen. Der starke Verkehr auf der 2,5 Kilometer langen, kurvenreichen Strecke erfordere einen separaten Weg.

Hunderte Bürger aus der gesamten Einheitsgemeinde beteiligten sich an der Mensch-Schal-Kette für den Radweg.

Der steht zwar schon lange im Radwegekonzept der Einheitsgemeinde. Für die Realisierung des Eine-Million-Euro-Projektes fehlte jedoch bisher das Geld, obwohl 90 Prozent der Kosten über ein Förderprogramm getragen werden. Die Hälfte der benötigten 100 000 Euro Eigenmittel schießt der Landkreis Stendal, als Baulastträger der Kreisstraße zu. Um die restlichen 50 000 Euro als kommunalen Anteil der Einheitsgemeinde Tangerhütte aufzubringen, rief die Bürgerinitiative zur Spendensammlung auf und rührte mit ungewöhnlichen Aktionen kräftig die Werbetrommel. Ihre Mitstreiter stellten (alte) Fahrräder an den Straßenrand und hängten selbst gemalte Plakate an die Bäume, um auf das Problem aufmerksam zu machen.

Als Symbol des Kampfes wurden von den Mitgliedern und Unterstützern der Initiativgruppe fast 750 Schals gestrickt. Rund 400 Teilnehmer aus der gesamten Einheitsgemeinde beteiligten sich 2019 an einer Mensch-Schal-Kette zwischen den Ortschaften Cobbel und Birkholz, um ein Zeichen zu setzen, dass das Projekt in der Bevölkerung breiten Rückhalt hat. Ein Spendenlauf im Wildpark Weißewarte, Anfang 2020, fand ebenso große Resonanz. Neben zahlreichen Ehrenamtlichen unterstützte Tangerhüttes Einheitsgemeindebürgermeister Andreas Brohm (parteilos) von Anfang an die Aktion. Trotz kontroverser Diskussionen bekannte sich letztlich auch der Stadtrat dazu. Mit Demonstrationen und der Anwesenheit in Sitzungen hatten Vertreter der Bürgerinitiative immer wieder Druck gemacht.

Werner Hartig (re.) und Reinhard Traufelder machten mit ihren „Installationen“ und Plakataktionen immer wieder auf das Problem aufmerksam.

Der Landesregierung Sachsen-Anhalts passt diese Initiative offenbar genau ins Konzept. „Das bürgerschaftliche Engagement begrüßen wir ausdrücklich“, sagt Stefanie Arnhold mit Verweis auf den gerade neu erstellten Radwegeplan für das Land. Dabei liege der Fokus nicht mehr auf dem touristischen Radverkehr, sondern auf dem Alltagsradverkehr. Die Radverkehrskoordinatorin im Ministerium für Landesentwicklung und Verkehr ließ es sich nicht nehmen, den Förderbescheid für den Bau des Weges im Sommer vergangenen Jahres persönlich vorbeizubringen.

Inzwischen sind die Planungen auf der Zielgeraden und die Bahn für die künftige Asphaltpiste ist freigeräumt. In Kürze sollen die Baumaschinen anrücken. „Dann geht es hoffentlich sehr schnell“, ist Ahrberg optimistisch, schon im Sommer auf dem „Weg für alle“ radeln zu können. „Am Ende überwiegt die Freude“, sagt die Aktivistin, auch wenn es schade sei, dass sich der Kampf so lange hingezogen hat. Trotz aller Widerstände habe sich erwiesen, dass es sich lohne, für eine Sache zu kämpfen, denn: „Ohne die Initiativgruppe würde es den Radweg nicht geben.“

Text und Fotos: Christian Wohlt