9. Juli 2020

Baltic Sea Circle: Campings-Fans fahren im Oldtimer zum Nordkap

Irina Sander und Chris Schmidt sind frisch verheiratet. Im Februar untermauerte das Ehepaar aus Pattensen bei Hannover sein persönliches Glück mit einer Hochzeitsreise der Extraklasse: Die Camping-Fans nahmen an der Baltic Sea Circle teil.

Die Rallye führt auf einer 16-tägigen Rundreise unter anderem durch Schweden und Norwegen sowie Estland und Lettland. Neben Hund Cataleya war auch das fahrbare Eigenheim immer dabei. Der in einen Camper umgebaute Mercedes Benz Unimog hat schon 41 Jahre auf dem Buckel.

„Wir waren früher bei der Bundeswehr und mein Mann hat eine leichte Affinität zu Lkw. Da unser Volkswagen T4 irgendwann zu klein wurde, vor allem mit dem Hund, haben wir uns nochmal umgeschaut.“ Bei der Online-Recherche ist das Paar auf den Mercedes Benz Unimog gestoßen, der ihnen sofort zugesagt hat. Der Lkw mit 16 Gängen war früher ein Sanitätsfahrzeug der Bundeswehr, nun ist er ein echter Oldtimer. Der Clou: Der ehemalige Besitzer hat den Wagen um eine ultraleichte Wohnkabine erweitert. Doch nicht nur das außergewöhnliche Fahrzeug blieb im Gedächtnis. „Auf einem der Autos im Internet war ein Rallye-Sticker zu sehen, der ist irgendwie hängen geblieben“, berichtet Irina Sander. Daraufhin hat sie gegoogelt und ist auf die „Baltic Sea Circle“ des Veranstalters "Superlative Adventure Club"gestoßen.

„Wir sind keine typischen Pauschaltouristen“, erzählt sie. „Wir waren schon immer viel auf eigene Faust unterwegs. Erst mit dem Zelt und dann mit dem T4“. Irina Sander hat die „Baltic Sea Circle“ gesehen und war sofort begeistert. Die gebürtige Finnin sah die Tour als die ideale Hochzeitsreise. „Wir haben extra so geplant, dass wir am 20. Februar standesamtlich geheitratet haben, um dann am 22. Februar zur Rallye aufzubrechen.“ Natürlich war auch ihr Hund, der auch liebevoll „Schlingel“ genannt wird, wieder mit an Bord.

Vor dem Start galt es jedoch eine wichtige Voraussetzung zu erfüllen. Jeder Teilnehmer sammelte vorab Spenden für einen guten Zweck. Das Paar aus Pattensen bei Hannover entschied sich, für die Per Mertesacker Stiftung zu sammeln.

Am 22. Februar fiel dann der Startschuss zur „Baltic Sea Circle“ auf dem Hamburger Fischmarkt. Von dort aus machte sich der 60-köpfige Teilnehmer-Tross auf den Weg Richtung Norden. Der erste Stopp auf der rund 7.500 Kilometer langen Route war in Südschweden. Von dort aus ging es an der norwegischen Küste entlang immer weiter zum nördlichsten Punkt der Tour: dem Nordkap. Beeindruckt von den vielen Nordlichtern und den Massen an Schnee, fiel es fast schon schwer, den zweiten Teil der Tour anzutreten. Mit maximal 60 Stundenkilometern ging es über Finnland, Estland, Lettland, Litauen und Polen zurück zum Ziel in Hamburg.

Da neben Autobahnfahrten auch die Nutzung von Navigationssystemen und GPS während der Rallye nicht erlaubt ist, griff das Ehepaar stattdessen auf die altbewährte Variante zurück: ADAC Toursets. „Wir sind beide ADAC Mitglieder und haben uns das Kartenmaterial in der Geschäftsstelle in Laatzen abgeholt.“ Die Route für den Tag hat Irina Sander jeweils in die Landkarten gemalt, oft lag eine Challenge auf dem Weg, die es zu meistern galt. „In Schweden mussten wir zum Beispiel einen kultigen ABBA-Bus auf einem Autofriedhof finden“, erinnert sich Sander. „Das war immer eine großartige Abwechselung zu den langen Fahrten.“

Für Irina Sander und Chris Schmidt steht nach der Tour fest: Nach Norwegen möchten Sie auf jeden Fall zurückkehren, dann aber im Sommer. „Die steilen Küsten waren einfach atemberaubend. Weil wir im Lkw höher sitzen, als in einem normalen Pkw, hatten wir einen ganz anderen Blickwinkel auf unsere Umgebung.“

Zurück in Hannover haben die Pattenser begonnen, ihren Lkw nach ihren Wünschen umzubauen. Seitdem wird der Wohnraum mit einem Holzofen beheizt, denn zwischenzeitlich war es auf der Rallye bitterkalt. „Wir haben in den 16 Tagen gemerkt, was wir am Wagen noch verändern müssen. Jetzt sind wir so weit, dass wir autark unterwegs sein können.“ Neuen Destinationen steht nichts mehr im Weg. „Höchstwahrscheinlich sind wir aber erstmal wieder auf eigene Faust unterwegs und nicht im Rahmen einer Rallye“, verrät Irina Sander.

Hintergrund:
Camping boomt wie nie zuvor, vor allem, weil es in Corona-Zeiten einen Urlaub mit Abstand, Freiheit und Flexibilität möglich macht. Wer zum ersten Mal mit dem Wohnmobil unterwegs ist, sollte sich gut auf die Fahrt vorbereiten und zunächst besser mieten als kaufen. Wieviel wiegt mein Camper eigentlich, und was darf ich zuladen? Wie verhält sich das Gefährt auf der Straße, insbesondere in Kurven und beim Bremsen? Und in welche Länder darf ich zurzeit reisen, mit welchen Bestimmungen? Antworten gibt es beim ADAC! Die Experten ermitteln am Samstag, 11. Juli, das Leergewicht von Wohnmobil oder Wohnwagen und beraten, wie und wie viel beladen werden darf (bitte Fahrzeugschein mitbringen). Dazu kann man den Camper auf der Trainingsstrecke beim Kurvenfahren, Bremsen und Rangieren gleich besser kennen lernen.