29. Oktober 2019

Allein unter Männern: Sie will Kfz-Mechatronikerin werden

Jenny Bender macht eine Ausbildung bei BMW.

An einer der Hebebühnen in der Werkstatt steht eine junge Frau mit einem blonden Pferdeschwanz, die gemeinsam mit einem Kollegen ein Fahrzeug begutachtet. Akribisch blickt sie auf den Motorenraum, der sich unter der offenen Haube versteckt. Sie trägt, wie alle anderen auch, dunkelgraue Arbeitskleidung.

Jenny Bender ist im zweiten Ausbildungsjahr und lernt einen Beruf, in dem sie „ihre Leidenschaft zum Beruf machen kann“, auch  wenn es „nicht typisch Mädchen ist“, erzählt die 22-Jährige. Als Auszubildende für Kfz-Mechatronik mit dem Schwerpunkt System- und Hochvolttechnik ist Bender weit weg von jedem Klischee. „Ja klar, macht man sich mal schmutzig und die Arbeit ist körperlich anstrengend“, erklärt sie. „Ich wünsche mir manchmal einfach, dass es normal ist, ein Mädchen in diesem Berufsfeld anzutreffen.“ Sie betont allerdings auch, dass das Feedback  ihr gegenüber, besonders von den männlichen Kollegen, durchweg positiv ist. Derzeit ist Bender die einzige weibliche Auszubildende mit diesem Schwerpunkt in der BMW Niederlassung in Hannover.

In Jenny Benders Familie spielten Automobile schon immer eine Rolle, denn auch ihr Opa war in der Automobilbranche tätig. Mit ihrer Mutter, die ein Hybridfahrzeug fährt, teil sie die Leidenschaft für Autos. Über verschiedene Praktika kam sie schlussendlich zu der Ausbildung. Ihren Ausgleich zum oftmals stressigen Alltag sucht sie beim Sport, dort powert sie sich aus, „schraubt“ aber auch manchmal bei einem Freund hobbymäßig in der Garage.

Mit einem offenen Lächeln führt uns Jenny Bender durch das Niederlassungsgebäude. Schnell wird deutlich, wie wohl sie sich in dem Betrieb fühlt. Jenny ist vier von fünf Tagen im Betrieb, einen in der Berufsschule in Burgdorf. Doch mit dem Verlassen der Werkstatt endet ihr Arbeitstag seit kurzem noch nicht. Jenny macht seit Oktober dieses Jahres ein triales Studium. Was dahinter steckt: Neben ihrer Ausbildung studiert Bender Handwerksmanagement im Bachelor und eignet sich neben praktischen Kenntnissen auch noch die kaufmännischen Aspekte des Berufs an. „Wenn alles glatt läuft, dann habe ich nach viereinhalb Jahres meinen Gesellen- und Meisterbrief, sowie einen Bachelor“, erzählt sie stolz.

Jenny Bender schaut sich mit einem Kollegen den Motorraum an.

Vom Auffüllen des Kühlwassers bis hin zum Prüfen des Board-Computers: „Ich mag die Abwechslung in meinem Job. Jeden Tag erwartet mich was anderes“, erzählt sie.  Mit dem Ausbildungsschwerpunkt leistet die autoaffine Auszubildende einen Beitrag für die Mobilität der Zukunft. „Ich lerne von der Pike auf, worauf es ankommt. Je mehr E- und Hybrid-Fahrzeuge es in Zukunft geben wird, desto stärker wird mein Beruf nachgefragt sein.“ Bender ist jedoch der Meinung, dass sich infrastrukturell noch einiges ändern muss, damit sich vielleicht irgendwann auf Hannovers Straßen nur noch Fahrzeuge mit alternativen Antrieben wiederfinden.

Die voranschreitende Digitalisierung, besonders in der Automobilbranche, erfordert neue Berufsfelder. „In themenspezifischen Weiterbildungen  hat Jenny die Möglichkeit sich fortzubilden und den für sie bestmöglichen Abschluss anzustreben“, sagt Tim Burgdorff, kaufmännischer Leiter für die BMW Niederlassungen Hannover, Bremen und Göttingen. Burgdorff ist anzumerken, wie stolz der Betrieb auf Jenny Bender ist. „Wir arbeiten stark mit der Handwerkskammer zusammen. Jenny ist für uns eine Botschafterin, die es über ihre wirklich authentische Art schafft, besonders junge Schülerinnen und Schüler, für diesen Job zu begeistern.“

Neben der Hardware muss sich Jenny Bender auch mit der Software im Auto auskennen.

Ihre Zukunft lässt Bender weitestgehend offen. Ob Master oder die eigene Werkstatt – wohin es sie führt, das weiß die junge Auszubildende noch nicht. „Ich konzentriere mich voll auf jetzt“, erklärt sie. Was ihr jedoch eine Herzensangelegenheit ist: Sie möchte weiterhin Schülerinnen und Schüler dazu ermutigen, über den Tellerrand zu schauen. „Manchmal muss man sich einfach trauen einen Weg zu gehen, selbst wenn er untypisch ist.“ Sie selbst ist das beste Beispiel, dass sich dieser Mut auszahlt.

Text: Katharina Albat

Weitere Informationen zur Ausbildung bei BMW finden Sie hier.