12. August 2019

ADAC Selbstversuch in Hannover: E-Scooter-App hat noch viel Luft nach oben

Katharina Albat fährt einen E-Roller des Anbieters "Tier" in Hannover

 

Für den den ADAC Niedersachsen/Sachsen-Anhalt testen Volontärin Katharina Albat und Redakteur Timo Gilgen neue Mobilitätsangebote im Gebiet des Regionalclubs. Mit diesem Selbstversuch startet die Serie „Mobilität von heute“. 
Teil 1: E-Scooter-Verleih in Hannover.

Nun sind sie also in Hannover angekommen. Die E-Scooter. Anlässlich des Maschseefests hat der Anbieter „Tier“ 250 E-Roller im Stadtgebiet verteilt. Bevor man losfahren kann, benötigt man eigentlich die kostenlose App des Anbieters „Tier“. Doch in unserem Test zeigte sich, dass das nicht immer der Fall sein muss. Doch der Reihe nach.

Wir laden uns die App natürlich zunächst runter. Bezahlt werden kann mit Kreditkarte oder PayPal. Pro Fahrt zahlt man einen Euro Aktivierungsgebühr. Jede Minute kostet zusätzlich 15 Cent. Das Einrichten geht schnell. GPS anschalten und dann kann man schon sehen, wo der nächste Roller in der Nähe verfügbar ist.

Roller teilweise nicht auffindbar

Wir tippen den Roller an und lassen uns zu ihm navigieren. Doch zweimal hintereinander ist an dem angegebenen Punkt kein Roller zu sehen. Einmal wird er uns direkt vor der Nase von einem anderen Suchenden weggeschnappt.

Beim dritten Versuch wollen wir nun aber endlich starten. Daher drücken wir bereits vorher den „Fahrt beginnen“-Button – in der Hoffnung dass der Roller dann für andere App-Nutzer nicht mehr sichtbar ist. Doch weit gefehlt. Plötzlich fängt die Zeit an zu laufen und wir zahlen, obwohl wir noch nicht einmal beim Objekt der Begierde angekommen sind. Wie kann das sein?

Ganz einfach. Ein paar Jugendliche waren vor uns am Roller und offenbar aktivierte sich das Gefährt selbst, als wir auf „Fahrt beginnen“ gedrückt haben. Die Jungs hatten also ihren Spaß und wir durften dafür zahlen. Glücklicherweise bemerkten wir das Ganze recht schnell und beendeten die Fahrt in der App wieder. Der Roller reagierte also nicht mehr und die Jugendlichen stellten ihn wieder beiseite.

Normalerweise darf das nicht passieren. Denn bevor man losfahren kann, muss man eigentlich den QR-Code in der Mitte des Lenkers scannen. Das hätten nur wir mit unserer App tun können. Hier gibt es offensichtlich noch technische Probleme.

Schnelles Anfahren, abruptes Bremsen

Als wir dann aber endlich unseren Roller haben, behalten wir ihn auch erst mal für eine Weile. Nun soll getestet werden, wie sich das Gerät fahren lässt. Soll ja ganz einfach sein. Zweimal Anschub geben und dann mit dem rechten Daumen einfach beschleunigen. Das klappt auch. Doch sicher fühlt man sich nicht direkt auf dem Roller. Besonders das schnelle Beschleunigen und das abrupte Bremsen verunsichern am Anfang.

Es empfiehlt sich also ganz klar, zunächst in ruhigeren Straßen oder auf Privatgelände zu üben, ehe man sich in den vollen Stadtverkehr wagt. Und obwohl keine Helmpflicht besteht, empfehlen wir, einen Helm zu tragen. Bei Geschwindigkeiten von bis zum 20 km/h kann ein Helm im Falle eines Unfalls lebensrettend sein.

Da unser Roller mitten in der Stadt geparkt war, müssen wir auch direkt hier üben. Das ist eher nervenaufreibend als spaßig. Ist kein Fahrradweg vorhanden, teilt man sich die Straßen mit den Autos. Deren Fahrer schauen noch relativ verwirrt, als sie uns erblicken. Immer wieder steigen wir lieber ab und lassen die Pkw vorbeifahren.

Doch auch auf den Fahrradwegen kann von entspanntem Cruisen anfangs keine Rede sein. Viele Radfahrer sind einfach schneller als wir unterwegs und nehmen uns deutlich als Hindernis wahr. Gut möglich, dass wir das nach ein paar Stunden Übung anders wahrgenommen hätten. Doch das ist nicht realitätsnah, denn immerhin tickt permanent die Uhr und damit zahlen wir auch ununterbrochen. Nach circa 30 Minuten beenden wir unseren Selbstversuch.

Fazit

Die Tier App hat in Hannover einige Schwächen offenbart. Mehrfach wurden wir zu Rollern gelotst, wo am Ende keine waren. Höhepunkt war die Aktivierung eines Rollers, den dann anderen Menschen gefahren haben. Hier besteht dringend Nachholbedarf. Besonders als Einsteiger empfiehlt es sich, zunächst abseits vom lebhaften Straßenverkehr zu üben. Hier bedarf es Angeboten, die dem Verbraucher nicht pro Übungsminute 15 Cent abverlangen. Es ist problematisch, dass Menschen, die das erste Mal auf einem E-Roller stehen, direkt ins kalte Wasser geworfen werden und im „Großstadt-Dschungel“ zurechtkommen müssen.

 

Wie sind Ihre Erfahrungen mit Leihangeboten für E-Roller? Teilen Sie unsere Eindrücke oder sehen Sie die Sache ganz anders? Lassten Sie es uns wissen!