6. April 2020

ADAC rettet Hannoveranerin aus Corona-Albtraum

ADAC rettet Hannoveranerin aus Corona-Albtraum

Was als entspannte Mutter-Tochter-Reise nach Ägypten anfing, endete für Mina Fetaj aus Hannover in einem ADAC Ambulanzjet zurück nach Deutschland. Zwischendurch zwei Krankenhäuser, Spritzen, Infusionen, künstliche Beatmung … und eine Corona-Erkrankung. 

Gerade von einem Ski-Urlaub aus Ischgl zurückgekehrt, brach die 25-Jährige Anfang März gemeinsam mit ihrer Mutter zu einer Ägypten-Reise auf. Doch trotz Sonne, Wärme, Wüste und Pyramiden wurde die Freude darüber recht schnell getrübt, als sich bei ihr Erkältungssymptome einstellten, dazu Fieber und Schüttelfrost. Ein Besuch im Hotelkrankenhaus ergab nichts außer einer Infusion gegen Dehydrierung und einer vierstelligen Rechnung für die Arztkosten. Ihr Verdacht, dass es eventuell Corona sein könnte, die Krankheit, die so langsam in Europa Einzug hielt, wurde vom Arzt dementiert. Als es nicht besser wurde, beschlossen Mina und ihre Mutter, die Heimreise anzutreten, zumal sich das schöne Wetter auch in Sturm und Dauerregen verwandelt hatte.  

Trotz überschwemmter und gesperrter Straßen erreichten sie gerade so ihren Flieger in Hurghada und hatten die Passkontrolle auch schon hinter sich gelassen, als Polizisten sie kurz vor dem Boarding aufsuchten. Die deutschen Gesundheitsbehörden hatten die Flughafen-Polizei informiert, dass Minas Freundin sich beim gemeinsamen Skiurlaub in Ischgl mit dem Corona-Virus infiziert hatte. Fieber konnte bei Mina am Flughafen zwar nicht festgestellt werden, allerdings weigerte sich die Fluggesellschaft nun, sie mitzunehmen. Nach mehreren Stunden auf der Polizeistation wurden sie mit vorgehaltener Waffe aus dem Flughafengebäude befördert. „Es war kalt, wir durften uns nicht einmal hinsetzen und wurden behandelt wie Kriminelle“, so Mina rückblickend. Doch glücklicherweise kam ihnen der Flughafenarzt zu Hilfe.  

Nach endlosen Diskussionen mit der Flughafen-Polizei setzte er seinen Job aufs Spiel und fuhr sie zum Corona-Test in ein Krankenhaus: „Es tut mir leid, was Sie hier erfahren mussten, ich schäme mich für mein Land, nicht alle sind so“, erklärte Dr. Karim Hesham dabei. Die hygienischen Zustände im Krankenhaus waren katastrophal, Essen und Trinken oder gar warme Decken bekamen sie nicht, und ihre Fragen beantwortete niemand. Mittlerweile zeigte auch Minas Mutter deutliche Symptome wie Schüttelfrost, abgesehen von undefinierbaren Infusionen und Spritzen gab es jedoch keine Hilfe. Ihre Reisegesellschaft bot ihnen keine Unterstützung an, und so erinnerte sich Mina an ihre ADAC Plusmitgliedschaft und nahm Kontakt zum ADAC auf. Da sie jedoch nicht einmal wussten, wo genau sie waren, konnte der ADAC sie zunächst nur medizinisch beraten. Minas Vorgesetzte, Ildiko Kovacs bei Continental Reifen in Hannover gelang es außerdem, einen Kontakt bei deutschen Botschaft zu ermitteln, über diese ließen sich immerhin Essen und Getränke organisieren.  

Als feststand, dass Mutter und Tochter tatsächlich Covid-19 positiv getestet waren, wurden sie zur Quarantäne in das Isolierkrankenhaus Esna Specialized Hospital“ in der Nähe von Luxor verlegt – eine fast sechsstündige Fahrt, jeweils allein im klimatisierten Krankenwagen und erneut ohne Wasser und Decken. In Luxor angekommen, wurden sie auf der Intensivstation, wo auch 75 weitere Touristen aus Deutschland, Italien, Großbritannien, Frankreich und Kalifornien stationiert waren, für Ägyptische Standards angemessen behandelt. Ärzte und Pfleger waren freundlich und bemüht. Es stellte sich heraus, dass Mina eine einseitige und ihre Mutter sogar eine beidseitige Lungenentzündung hatte, beide wurden beatmet, mit starken Medikamenten behandelt und unter eine zweiwöchige Quarantäne gestellt.  

Dank ihrer guten englischen und arabischen Sprachkenntnisse konnte Mina sich nicht nur selbst bestens verständigen, sondern dolmetschte auch gleich noch für andere deutsche Touristen, die nach und nach in das Krankenhaus eingeliefert wurden und vermittelte mit der deutschen Botschaft in Kairo Hilfspakete. Nachdem Minas Mutter nicht wie gewünscht auf die Medikamente ansprach, nahm Mina erneut Kontakt zum ADAC auf und übermittelte die Telefonnummer des Krankenhausarztes. Von da an gab es nicht nur einen regelmäßigen Austausch unter den Vertrauensärzten und damit andere Medikamente, sondern auch tägliche Telefonate zwischen Mina und dem ADAC Team. „Wir waren so dankbar für die tägliche medizinische und mentale Unterstützung durch den ADAC und darüber, dass man uns nicht vergessen hatte“, betont die Hannoveranerin, „außerdem wusste endlich jemand, wo genau wir sind, das war eine große Erleichterung. Ein toter Deutscher, den ich in einer schwarzen Plastiktüte sehen musste, wurde fast sechs Tagen nicht abgeholt, wir wollten nicht genauso enden!“  

Das ADAC Team war es auch, das ihr zum Instagram-Tagebuch riet, um dadurch eine Art Beobachtungsposition einzunehmen und etwas Abstand zu gewinnen in dieser psychisch extrem belastenden Situation. „Besonders nachts wollte ich mich von dem atemlosen Röcheln der anderen Patienten ablenken. Nicht nur mir hat das Tagebuche geholfen, ich habe fast 3.000 Nachrichten dazu bekommen – durchweg positiv“, erklärt Mina. „Viele haben unsere Geschichte geteilt, mich und meine Mutter aufgemuntert und sich bedankt. Sie würden die Krankheit und Infektionsgefahr nun ganz anders sehen und ernst nehmen.“ Mina´s #Coronadiary findet man auch jetzt noch auf Ihrem Profil „minafetaj“ unter Ihren Story Highlights.  

Emotional ging es nun also bergauf, aber eins stand trotzdem fest, solange Mutter und Tochter noch „Corona-positiv“ waren, ließ sich kein Transport nach Hause realisieren. Internationale Flüge wurden in der Zwischenzeit gestrichten und Grenzen geschlossen. Für die ADAC Ambulanz galt es außerdem noch, einige Probleme zu überwinden: Die Landegenehmigung musste her und die ägyptische Regierung musste der Ausreise zustimmen, was beides kein Selbstläufer war. Nach neun Tagen auf der Isolierstation war es dann aber so weit: Bei beiden Patientinnen fiel der Test negativ aus! Nach vier weiteren Tagen unter Beobachtung, einem weiteren Negativ-Test und allen entsprechenden Genehmigungen durften sie die Heimreise nach Deutschland antreten 

Dank des fliegenden Krankenhauses vom ADAC war auch die weitere Behandlung von Minas Mutter kein Problem. Am 27. März kamen die beiden Frauen also auf das Rollfeld des Flughafens in Luxor. Das erste Glück waren Sonne, Licht und frische Luft, das zweite war das gelbe Ambulanz-Flugzeug, das auf sie wartete. „Darf ich Sie umarmen?“, war Minas erste Frage an den ADAC Arzt. Sie durfte! Es schien unglaublich für sie, dass sich nun alles zum Guten wenden sollte. Piloten, Ärzte, Pfleger – alle waren für sie da und kümmerten sich umfassend. Das war vor allem für ihre Mutter wichtig, die aufgrund der Lungenentzündung noch Probleme mit dem Luftdruck hatte. Noch heute hält Mina über WhatsApp Kontakt zur den „Gelben Engeln“.  

Schließlich landeten sie sicher in Paderborn und wurden von dort in ein hannoversches Krankenhaus gebracht. Nach erneuten Tests und Behandlungen durften sie zu ihrer Familie nach Hause – überglücklich und um zahlreiche Erfahrungen und Erkenntnisse reicher: „Mir ist jetzt klar, welche Verantwortung man trägt und wie schnell man andere in Gefahr bringt. Die Tatsache, dass ich meine Mutter angesteckt habe und viele andere im Flugzeug angesteckt hätte, belastet mich immer noch sehr“, gibt Mina zu. „Viele junge Leute nehmen Corona und die geltenden Kontaktsperren noch auf die leichte Schulter – dabei ist „staying at home“ wirklich ein Luxusproblem, verglichen mit dem, was ich in Ägypten gesehen und erlebt habe“, ist sie überzeugt.  

Und noch eins steht für sie fest: Keine Reise ohne ADAC Plusmitgliedschaft und den ADAC Auslandskrankenschutz! 

Wir sind da – auch und gerade in Zeiten von Corona!