30. Juli 2020

ADAC kritisiert Pläne für Pop Up Radweg

Weniger Parkplätze, eingeschränkter Lieferverkehr für die ansässigen Geschäfte und deutlich mehr Staus in den Stoßzeiten – der ADAC Niedersachsen/Sachsen-Anhalt kritisiert die Pläne für einen Pop Up Radweg auf der Hildesheimer Straße in Hannover. Statt schlüssiger und nachhaltiger Planung wird wieder einmal auf Aktionismus gesetzt.

Corona hat dazu geführt, dass sich das Mobilitätsverhalten verändert hat. Während in den ersten Monaten ein starker Rückgang im Kfz-Verkehr festzustellen war, ist mittlerweile der Innenstadtverkehr in vollem Umfang zurück. An leeren Straßen kann es also nicht liegen, dass die Hannoversche Politik nach dem Vorschlag der CDU Fraktion zwischen Südschnellweg und Aegi einen Fahrstreifen der Hildesheimer Straße für Radfahrer sperren will. Stattdessen wird es reichlich Probleme mit sich bringen, befürchten die Verkehrsexperten vom ADAC:

- Die Hildesheimer Straße ist eine der am stärksten befahrenen Straßen in Hannover und würde mit nur einem Fahrstreifen in beiden Fahrrichtungen in den Hauptverkehrszeiten an ihre Kapazitätsgrenze kommen.

- Aufgrund der hohen Verkehrsbelastung wäre zumindest eine konsequente Trennung des Pop Up Radwegs von der Fahrbahn erforderlich, um die Verkehrssicherheit zu gewährleisten. So könnten Parkplätze wahrscheinlich nicht angefahren werden.

- Fahrstreifen wären häufig blockiert, stünden diese nicht zur Verfügung, würde der Lieferverkehr die letzte verbleibende Spur nutzen und den Pkw-Verkehr damit komplett zum Erliegen bringen, alternativ müsste verkehrswidrig der Fußweg als Haltezone genutzt werden, was dort Chaos zur Folge hätte.

Es ist richtig, sich über die Aufteilung der Verkehrsflächen Gedanken zu machen. Wichtig ist aber, dass sich die Flächenaufteilung am Bedarf orientiert. Pop Up Radwege als sogenannte Corona-Maßnahme, um den Überholabstand von 1,5 Metern zu gewährleisten, sollten aus ADAC Sicht als kurzfristige Maßnahme zur Förderung des Radverkehrs in Frage gestellt werden. Weder aus Gründen einer besseren Verkehrssicherheit, noch als Beitrag zur Verkehrswende oder für mehr Umweltschutz.

Ein von der Stadt Hannover beauftragtes Gutachten hat für das Stadtgebiet zwölf Velorouten ausgewiesen. Die Stadtverwaltung hat sich für eine schnellstmögliche Umsetzung ausgesprochen. Eine davon soll parallel zur Hildesheimer Straße entlang des Rudolf-von-Bennigsen-Ufers verlaufen. Trotzdem steht jetzt der Pop Up Radweg auf der Hildesheimer Straße zur Diskussion. Die Route hatte es nach gutachterlichem Rat nicht in das Veloroutennetz geschafft, weil es eben eine besser geeignete Hauptroute entlang des Maschsees gibt, die zudem auch ein geringeres Kfz-Aufkommen aufweist.

Bei verschiedenen Stichproben des ADAC auf der Hildesheimer Straße zur Mittagszeit sowie zum Berufsverkehr am Morgen und am Abend zeigte sich, dass das Verkehrsaufkommen unabhängig von der Tageszeit sehr hoch ist und auch der Lieferverkehr nicht auf eine Tageszeit beschränkt ist. Die Parkplätze sind stark nachgefragt. Ein Stimmungsbild ist unter www.adac-niedersachsen.de zu sehen. Eine kurzfristige Social-Media-Umfrage des ADAC gestern hat eine deutliche Mehrheit gegen die Pläne ergeben. 60 Prozent der Hannoveraner, die so schnell teilgenommen haben, lehnen die Pläne ab, 40 Prozent würden diesen Pop Up Radweg gern nutzen.

Seit Jahren fordert der ADAC Niedersachsen/Sachsen-Anhalt ein ganzheitliches Verkehrskonzept für die Stadt Hannover, das allerdings noch immer nicht vorliegt. Statt Energie und Planungskapazitäten in eine provisorische Radverkehrsanlage zu investieren, deren Wirkung und Notwendigkeit fraglich ist, sollte lieber an einem schlüssigen Gesamtkonzept gearbeitet werden, das die Verkehrswende auf den Weg bringt und dem Radverkehr nachhaltig helfen würde.