16. April 2020

ADAC Digital Cup: So lief die Wintersaison für den MSC der Polizei Braunschweig

Copyright Bilder: Daniel Beyer

Bremsen, driften und die Kurve schneiden, dann aber schnellstmöglich wieder aufs Gas drücken und beschleunigen. So sieht eine typische Rennsituation im ADAC Digital Cup für Daniel Beyer und Jendris Giere des MSC der Polizei Braunschweig aus.

Egal in welcher Sportart, die eSports-Branche boomt. Seit Ende vergangenen Jahres bietet auch der ADAC Niedersachsen/Sachsen-Anhalt seinen Ortsclubs die Möglichkeit, neben dem realen auch den virtuellen Motorsport zu betreiben. Dafür wurde im ADAC Fahrsicherheits-Zentrum in Hannover/Laatzen ein Simulatoren Center eingerichtet. Dort messen sich die teilnehmenden Teams online im Rennspiel „Assetto Corsa“. Es handelt sich bei den Simulatoren nicht um handelsübliche Gaming-Stühle. Vielmehr simulieren die Stühle die Kräfte, die auf einen Rennfahrer während einer Rennsituation wirken.

In der Wintersaison 2019/20 sind zwei Ortsclubs des Regionalclubs im ADAC Digital Cup angetreten. Der MSC der Polizei Braunschweig probierte sich in Liga eins und der Stadthäger MC startete in Liga zwei.

Für Daniel Beyer und Jendris Giere vom MSC der Polizei Braunschweig war das eine ganz neue Erfahrung. „Die Möglichkeit, an sowas Coolem teilzunehmen ist echt einzigartig“, erzählt er. „Es macht einfach Spaß. Zwar musste sich mein Körper erstmal an die Bewegung im Simulator gewöhnen, es ging aber sehr schnell.“  Auch die anderen Ortsclub-Mitglieder des MSC der Polizei Braunschweig standen dem Experiment positiv gegenüber. „Natürlich gab es auch wenige Skeptiker, die nichts mit eSports anfangen konnten“, erzählt Beyer. „Doch immer, wenn wir davon berichtet haben, wandelte sich Skepsis ganz schnell in Neugier“.  Zudem stärkte ihnen der Ortsclub-Vorsitzende Reinhard Manlik den Rücken.

Die Rennsaison der ersten Liga im ADAC Digital Cup besteht aus fünf Terminen, die virtuell ausgetragen werden. Trotz des Online-Wettkampfs waren die Rennstätten die selben, wie auch im realen Motorsport: RedBull Ring, Nürburgring, Laguna Seca, Mugello und Spa-Francorchamps. Ein Event setzt sich aus zwei Einzel- und einem Mannschaftsrennen zusammen. Die Einzelrennen dauern 20 Minuten, die Rennen im Team erstrecken sich über 40 Minuten und beinhalten einen Pflicht-Boxenstopp, der dazu dient, innerhalb von einer Minute nachzutanken, die Reifen sowie den Fahrer zu wechseln.

Ähnlich wie in der Fußball-Bundesliga basiert der ADAC Digital Cup auf einem Aufs- und Abstiegssystem. Das Team, das am Ende der Saison die meisten Punkte eingefahren hat, ist der Champion der Liga. Der Clou ist: Man hat ausschließlich Kontakt zu seinem Teampartner. Die restlichen Fahrer der Liga bekommt man nicht zu Gesicht. Es wird nicht mal untereinander kommuniziert, wie man es aus anderen Computerspielen kennt.

Für das Training zu Hause hat sich Beyer etwas einfallen lassen. Um unter authentischen Bedingungen trainieren zu können, baute sich der Hobby-Gamer seinen eigenen Simulator nach: Ein bequemer Stuhl, Pedale und ein Lenkrad – so, wie eben auch in einem echten Rennsimulator.

Insgesamt hat Beyer viel Zeit damit verbracht zu trainieren. Sagenhafte 7.858 Trainingskilometer legte er zu Hause zurück. „Es hat lange gedauert, die Setups des Rennwagens für jede Strecke einzustellen“, berichtet er. Dazu zählen verschiedene Parameter am Fahrzeug wie z. B. die Stoßdämpfer, die dem Fahrverhalten angepasst werden können. „Jendris und ich mögen ein sehr ähnliches Fahrverhalten“, so Beyer, „deshalb konnten wir schnell auf einen gemeinsamen Nenner kommen“. Beyer und sein Teamkollege tauschen sich regelmäßig zum Setup aus und tüfteln gemeinsam an der optimalen Einstellung des Fahrzeugs. „Natürlich spielt auch der Ehrgeiz sich zu verbessern eine Rolle“, betont er. Das Spiel bietet viele Optionen - sie alle zu testen, nimmt viel Zeit in Anspruch.

Für das Team aus Braunschweig verlief die erste Saison im ADAC Digital Cup sehr erfolgreich. Nach dem letzten Rennen Anfang März belegte das Duo Platz 13 von 32 teilnehmenden Teams. „Es waren viele erfahrene Rennfahrer in der Liga vertreten“, sagt der Teamkapitän. Umso schöner war es für das Duo bereits in der ersten Saison konkurrenzfähig zu sein.

Beyer und Giere traten in einem Audi R8 LMS 2016, der in den Farben des ADAC Niedersachsen/Sachsen-Anhalt gestaltet wurde, an. Wie auch in den realen Rennen z. B. im Rahmen der ADAC GT Masters, gingen auch die anderen Teams in durchaus bekannten GT3-Fahrzeugen wie einem Porsche 911, einem BMW Z4 oder einem Lamborghini Huracan an den Start. Die Rennen verliefen immer fair und sportlich. „Es hat sich wirklich niemand die Butter vom Brot nehmen lassen“, betont der Braunschweiger.

Beyers Highlight der Saison ist unangefochten das letzte Rennevent in Spa. „Es war wirklich ganz besonders, da wir dort nur ein Mannschaftsrennen gefahren sind.“ Das Rennen hatte es in sich: Drei Stunden fahren, insgesamt 70 Runden und vier Boxenstopps galt es zu absolvieren. „Wir waren danach einfach nur kaputt“, erzählt der Racing-Fan. Denn neben der körperlichen Anstrengung mussten die beiden natürlich auch die Konzentration aufrecht halten, um jeden noch so kleinen Fahrfehler zu vermeiden.

Für das Rennen hatte sich das Duo erträumt, unter den Top zehn zu landen. Sie wollten sich aber keinen Druck machen und den Wettkampf auf sich zukommen lassen. Nachdem sie schon in der Qualifikation Position fünf erreichten, war dann doch der Druck da. „Im Rennen selbst willst du gar nicht an deine gute Position denken. Das realisierst du erst so richtig im Ziel“. Am Ende reichte es zu Platz 6.

Die Sommersaison wird das Team höchstwahrscheinlich auslassen. Das Duo plant, sofern es möglich ist, jedoch nächsten Winter wieder aufs Gas zu drücken. Ob dann ein Platz unter den besten zehn der Liga heraus springt, das werden erst tausende weiterer Trainingskilometer zeigen.

Die Sommersaison des ADAC Digital Cup startet am 6. Juni, dann wird das erste Rennen online auf der Strecke in Barcelona gefahren. Es folgen drei weitere Rennen: Im Juli in Monza, im August auf der Rennstrecke in Spa-Francorchamps, und den Abschluss bildet im September das Rennen auf der Nordschleife. Auch in der Sommersaison vergibt der Regionalclub wieder Startplätze. Sie sind Ortsclub im ADAC Niedersachsen/Sachsen-Anhalt und haben Lust, im Digital Cup zu starten? Dann melden Sie sich gerne bis zum 24. Mai 2020 per Mail bei Lennart Kock unter lennart.kock@nsa.adac.de.