Mobil in der Stadt? Menschen in Hannover sind überwiegend zufrieden, Werte gehen aber deutlich zurück

Zufrieden? Weitestgehend ja, insgesamt aber deutlich weniger als beim letzten ADAC Monitor „Mobil in der Stadt“ aus dem Jahr 2017: Einwohner:innen und Pendler:innen bewerten ihre persönliche Mobilitätssituation in Hannover über alle Verkehrsarten hinweg recht gut. Im Vergleich zum letzten Monitor hat die Gesamtzufriedenheit jedoch deutlich abgenommen, mehr als durchschnittlich in den übrigen 14 Städten der Umfrage. Damit rutscht die Landeshauptstadt im Gesamtranking vom zweiten auf den fünften Platz ab. Besonders zufrieden sind in Hannover diejenigen, die den ÖPNV nutzen, sie geben die bundesweit zweitbeste Bewertung ab. Überwiegend unzufrieden sind die Autofahrenden, insbesondere, wenn sie aus dem Umland in die Stadt pendeln.

Der ADAC Monitor fokussiert die Sicht der Nutzenden: Dabei wurde in 15 Großstädten bundesweit die Zufriedenheit der Autofahrenden, ÖPNV-Nutzenden, Radfahrenden und Fußgänger:innen erhoben. Insgesamt wurden in der repräsentativ angelegten Online-Befragung mehr als 9.100 Interviews geführt wurden – mit Einwohner:innen, Pendler:innen und Besucher:innen. In Hannover waren es 613 Befragte. Dresden überzeugte bei allen Fortbewegungsarten am meisten, Köln und Duisburg hingegen am wenigsten, dort sind die Menschen sogar insgesamt überwiegend unzufrieden mit der Situation.

Unterschiedliche Verkehrsmittel – unterschiedliche Bewertung

Die meisten der befragten Personen in Hannover (90 Prozent) nutzen regelmäßig das Auto als Fortbewegungsmittel. Gleichzeitig sorgen sie mit Platz zehn im Ranking für das schlechteste Teilergebnis in der Bewertung. Noch unzufriedener als die Einwohner:innen sind die Menschen, die aus dem Umland in die Stadt pendeln. Besonders schlecht kommt das Baustellenmanagement weg, 56 Prozent der Befragten vergeben hier die Schulnoten 5 oder 6 – das liegt deutlich unter dem Bundesdurchschnitt. Auch die Parkgebühren in der Innenstadt und das Verhalten der anderen Verkehrsteilnehmenden, vor allem der E-Scooter-Fahrenden, tragen zur Unzufriedenheit bei. Die Frage, ob sie zuverlässig an ein Ziel kommen, wurde von den Autofahrenden überwiegend negativ beantwortet. Ähnlich schlecht wurde die Schaltung der Ampelanlagen bewertet. Mit der Wegweisung in der Stadt sind die Autofahrenden hingegen sehr zufrieden, auch das Parkraumangebot und die Parkkosten im Wohnumfeld werden gut bewertet. 66 Prozent der Befragten gaben im Übrigen an, dass weder das Thema Carsharing noch die Ladeinfrastruktur für E-Fahrzeuge bislang für sie relevant seien.

Das am zweithäufigsten genutzte Verkehrsmittel ist laut Umfrage der ÖPNV (77 Prozent). Wer mit Bussen und Bahnen unterwegs ist, ist überdurchschnittlich zufrieden. Das positive Ergebnis verschafft Hannover bundesweit den zweiten Platz in dieser Kategorie. Allerdings ist auch hier wieder ein deutlicher Unterschied zwischen Einwohner:innen und Pendler:innen zu erkennen: Wer aus dem Umland in die Stadt fährt, hat offensichtlich mehr Probleme, z. B. mit Verspätungen und Ausfällen. Auffällig ist das bei der Bewertung der Zuverlässigkeit, die zwar insgesamt noch ganz gut ausfällt, aber deutlich unter dem Wert von 2017 liegt. Bei der Taktdichte und der Direktheit der Verbindungen überwiegt die Zufriedenheit ebenfalls deutlich, und auch hier sind die Hannoveraner:innen wieder zufriedener. Am besten bewertet wurden die Haltestellendichte und die Länge der Wege beim Umsteigen, 50 bzw. 54 Prozent der Befragten vergaben hier die Schulnoten 1 und 2. Eher unzufrieden waren die Menschen mit Pkw-Stellplätzen an Bahnhöfen und Stationen sowie mit den Informationen bei Störungen.

Der Anteil der Radfahrenden ist größer als im letzten ADAC Monitor, 45 Prozent der Befragten gaben an, regelmäßig mit dem Rad in der Stadt mobil zu sein. Das sind sechs Prozent mehr als 2017. Beim Städte-Ranking belegt Hannover den fünften von 15 Plätzen. Und auch hier gilt: Während die Einwohner:innen recht zufrieden sind, bewerten die Einpendelnden die Situation eher schlecht. Mit dem Radwegenetz sind etwas mehr Menschen zufrieden als unzufrieden. Der Wert hat gegenüber der letzten Umfrage aber deutlich abgenommen, besonders was die Durchgängigkeit und den Zustand der Radwege angeht. Genau wie für die anderen Verkehrsteilnehmenden ist es für die Radfahrenden besonders wichtig, zuverlässig ein Ziel zu erreichen, und dafür gibt es in Hannover hohe Zufriedenheitswerte: 47 Prozent vergaben die Schulnoten 1 und 2. Defizite gibt es aus ihrer Sicht dagegen bei der Radverkehrsführung an Kreuzungen und bei der Verkehrssicherheit. Hier steht besonders das Miteinander mit den anderen Verkehrsteilnehmenden im Fokus. Das Verhalten der Fußgänger:innen bewerten die Radfahrenden positiv, alle anderen kommen nicht gut weg, insbesondere die E-Scooter-Fahrenden, die von 52 Prozent der Radfahrenden die Noten 5 und 6 bekamen. Deutlich verschlechtert haben sich die Zufriedenheitswerte bei der Wegweisung und den Wartezeiten an den Ampeln.

Fußgängerinnen und Fußgänger in Hannover sind zufrieden, egal, ob sie in der Stadt wohnen oder einpendeln. 88 Prozent der Befragten gaben an, zu Fuß in der Stadt mobil zu sein und sorgten in dieser Kategorie für einen fünften Platz der Stadt im Gesamtranking. Hohe Zufriedenheitswerte gab es für direkte Wege, sichere Überquerungsmöglichkeiten (Schulnoten 1 und 2 von je 58 Prozent der Befragten) und die Breite der Gehwege (48 Prozent). Eher unzufrieden waren die zu Fuß Gehenden mit den Sitzmöglichkeiten unterwegs und dem Verhalten der Radfahrenden. Noch schlechter wurde das Verhalten der E-Scooter-Fahrenden bewertet, hier vergaben 51 Prozent die Noten 5 und 6.

Mobilität und Verkehrsmittelnutzung in Zahlen

Fast 1,5 Mio. Menschen sind regelmäßig in Hannover unterwegs, sieben von zehn wohnen außerhalb der Stadt und kommen mindestens zweimal pro Woche aus beruflichen oder privaten Zwecken in die Stadt. 90 Prozent aller mobilen Personen in Hannover nutzten im letzten Jahr an mindestens drei Tagen das Auto. Den ÖPNV nutzten 77 Prozent der Befragten an mindestens drei Tagen im letzten Jahr (2017: 71 Prozent), wobei Einwohner:innen öfter (88 Prozent) als Einpendelnde (72 Prozent). Lediglich 45 Prozent der Befragten nutzten das Fahrrad an mindestens drei Tagen im Jahr im Stadtgebiet, das sind 6 Prozent-Punkte mehr als noch 2017, wobei Einwohner:innen deutlich öfter Rad fahren (63 Prozent) als Einpendelnde (37 Prozent). 88 Prozent der Menschen gingen im letzten Jahr Strecken in der Stadt ab 300 Meter zu Fuß (4 Prozent-Punkte mehr als 2017), auch hier waren Einwohner:innen öfter zu Fuß unterwegs (97 Prozent) als Einpendelnde (84 Prozent).

ADAC Forderungen für Hannover:

  • Ganzheitliche Verkehrsplanung:

Verkehrspolitik endet nie an einer Verwaltungsgrenze. Darum muss in Hannover das ganze Einzugsgebiet in den kommunalen Entscheidungsprozessen berücksichtigt werden. Die Unzufriedenheit der Pendler:innen ist ein klares Indiz dafür, dass die verkehrlichen Verflechtungen stärker Beachtung finden müssen. Auch eine gute Radverkehrsplanung sollte keine Stadt-/Regionsgrenze kennen. Die Velorouten bieten zwar eine gute Grundlage, jedoch sind für die Menschen im Umland noch keine Vorteile daraus erkennbar. Wir fordern daher die Implementierung von Radschnellverbindungen bis ins regionale Umland. Eine enge Zusammenarbeit der Gebietskörperschaften (Stadt Hannover, Region Hannover, Umlandgemeinden) ist unumgänglich.

  • Baustellenmanagement bei regionalen Großprojekten

Das marode Schnellwegsystem muss in den nächsten Jahren und Jahrzehnten zweifellos erneuert werden. Die Unzufriedenheit der Pendelnden zeigt jedoch: das Baustellenmanagement bedarf einer anderen Koordination.  Wenn sich Baustellen und Bauprojekte überschneiden, entstehen Überlastungen im Verkehrssystem. Um das zu vermeiden, muss die Abstimmung zwischen den Straßenbaulastträgern und anderen Institutionen (z. B. Üstra, Stadtentwässerung, enercity etc.) engmaschiger werden. Alternative Verkehrsmittel sollten die Kapazitäten erhöhen können.

  • Bezahlbarkeit Parkplätze Innenstadt und Wohnumfeld

Hannover hat die Parkgebühren in der Innenstadt und den Parkhäusern sukzessive gesteigert – das führt zu Unmut bei den Menschen. Das zeigt, dass mit Maß und Fingerspitzengefühl vorgegangen werden muss, wenn mit dem Parken das Verkehrsverhalten gesteuert werden soll. Anwohnerparken kann im Wohnumfeld zu merkbaren Verbesserungen führen, wenn der Parkdruck dies zulässt. Die Erhebung von Gebühren für das Anwohnerparken sollte jedoch sozial verträglich erfolgen.

  • Fahrradmitnahme, Abstellmöglichkeiten und Zuverlässigkeit im ÖPNV

Multimodale Mobilität als Schlüssel zur Mobilitätswende: Nur wenn man mit dem Regionalverkehr zuverlässig samt Fahrrad in die Stadt gelangen kann, werden Menschen aus dem Umland dauerhaft auf diese Option zurückgreifen. Daher muss die Fahrradmitnahme in den S-Bahnen weiter erleichtert und die Fahrradabstellmöglichkeiten an Regionalbahnhöfen den immer hochwertigeren Fahrrädern der Menschen (z. B. Pedelecs) im Umland gerecht werden.

  • Abstellmöglichkeiten für Pkw an Bahnhöfen

Park+Ride sollte in der Stadt und Region gelebt und nicht nur gefordert werden. Neben der Bereitstellung von sicheren Parkplätzen nahe der Umlandbahnhöfe sollte es für diejenigen, die sie nutzen, auch Vergünstigungen im regionalen ÖPNV geben. Zudem muss die Option des Umsteigens an P+R Parkplätzen offensiver kommuniziert werden, damit die Menschen diese Option auch wahrnehmen.

 

Bild: © Shutterstock/Alizada Studios

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